Sie haben einen Anwalt beauftragt, die Unterlagen abgegeben — und dann: Stille. Keine E-Mail, kein Rückruf, kein Zwischenstand. Dieses Gefühl kennen viele Menschen, die zum ersten Mal mit einem Anwalt zusammenarbeiten. Dabei haben Sie als Mandantin oder Mandant klare gesetzliche Rechte, was Informationen und Erreichbarkeit betrifft.
Die gute Nachricht: Das Berufsrecht zieht klare Grenzen. Die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA) und die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) legen fest, wann und wie Ihr Anwalt Sie informieren und auf Ihre Anfragen reagieren muss. Wer diese Regeln kennt, kann selbstbewusst und sachlich kommunizieren — ohne Konflikt, aber mit Klarheit.
Dieser Artikel ist ein Vertiefungsbeitrag zum Thema Mandatsablauf und Ihre Rechte als Mandant und erklärt konkret, wie die Kommunikation im Mandat funktioniert, was Sie aktiv tun können, und wann es Zeit ist, mehr Druck zu machen. Themen wie Anwaltsvollmacht, Mandatsvertrag oder anwaltliche Schweigepflicht werden in den jeweiligen Cluster-Artikeln ausführlich behandelt — hier geht es ausschließlich um den laufenden Informationsaustausch.
| Aspekt | Kurzinfo |
|---|---|
| Informationspflicht | § 11 Abs. 1 BORA — unverzüglich über wesentliche Vorgänge |
| Antwortfrist | Unverzüglich gem. § 121 Abs. 1 BGB, spätestens ca. 2 Wochen |
| Auskunftspflicht | §§ 675, 666 BGB — Rechenschaft auf Verlangen |
| Beschwerde bei | Zuständige Rechtsanwaltskammer (kostenfrei) |
| Kündigung Mandat | Jederzeit, ohne Frist, ohne Angabe von Gründen |
Kommunikation mit dem Anwalt: Auf einen Blick
Was ist die Informationspflicht des Anwalts — und was genau schuldet er Ihnen?
Ihr Anwalt muss Sie nach § 11 Abs. 1 BORA unverzüglich über alle wesentlichen Vorgänge in Ihrem Mandat informieren. Das umfasst wichtige Schriftstücke, egal ob sie eingegangen oder versandt wurden. Das ist keine Höflichkeit, sondern eine gesetzliche Berufspflicht. Sie hängt eng mit der Erreichbarkeit Ihres Anwalts zusammen.
Setzt das Gericht einen Verhandlungstermin fest, geht ein Schriftsatz der Gegenseite ein, oder antwortet eine Behörde: Sie müssen davon erfahren. Sie haben Anspruch darauf, den Sachstand zu kennen und selbst zu entscheiden, wie es weitergeht. Die zivilrechtliche Grundlage dafür liefern §§ 675, 666 BGB. Sie verpflichten Ihren Anwalt als Beauftragten zur Auskunft und Rechenschaft.
Ihr Anwalt muss dabei von sich aus informieren, nicht erst auf Ihre Nachfrage. Müssen Sie immer selbst den ersten Schritt machen, um von wichtigen Neuigkeiten zu erfahren, verletzt Ihr Anwalt seine Informationspflicht.
Nicht jede Funkstille bedeutet aber Untätigkeit. Von der Klageeinreichung bis zur Reaktion der Gegenseite können mehrere Wochen vergehen. Auch zwischen Terminbestimmung und Gerichtstermin sind Wartezeiten von mehreren Monaten normal. Solange Sie über den Stand informiert wurden, liegt keine Pflichtverletzung vor.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht das: Eine selbstständige Grafikdesignerin beauftragte ihren Anwalt mit einem Honorarstreit. Sechs Wochen nach Mandatsbeginn hatte sie noch keine Rückmeldung erhalten. Auf Nachfrage stellte sich heraus: Die Klageschrift war längst eingereicht, sie wusste nichts davon. Das ist eine klare Verletzung von § 11 Abs. 1 BORA. Die Klageeinreichung ist ein wesentlicher Vorgang, über den Ihr Anwalt aktiv informieren muss, ohne dass Sie nachfragen müssen.
Wie schnell muss Ihr Anwalt auf Ihre Anfragen antworten?
Wie schnell muss ein Anwalt antworten? Ihr Anwalt muss auf Ihre Anfragen unverzüglich reagieren. Das schreibt § 11 Abs. 2 BORA vor. Unverzüglich bedeutet nach § 121 Abs. 1 BGB: ohne schuldhaftes Zögern. In der Praxis heißt das: Spätestens nach zwei Wochen sollten Sie eine Rückmeldung erhalten. Bei dringenden Fristen muss es deutlich schneller gehen. Die Erreichbarkeit Ihres Anwalts ist keine Frage des Entgegenkommens. Sie ist eine Berufspflicht.
Eine Anfrage im Sinne der BORA liegt schon dann vor, wenn erkennbar ist, dass Sie eine Rückmeldung erwarten. Ein Fragezeichen brauchen Sie dafür nicht. Auch eine klare Bitte um Prüfung oder Erklärung zählt als Anfrage. Sie muss beantwortet werden.
Was tun, wenn der Anwalt nicht auf E-Mails antwortet? Prüfen Sie zunächst, ob die Kanzlei überhaupt erreichbar organisiert ist. Eine Kanzlei muss ihre Erreichbarkeit so organisieren, dass Sie Ihren Anwalt zu zumutbaren Zeiten wirklich erreichen. Es reicht nicht, Sie dauerhaft ans Sekretariat zu verweisen, wenn dieses inhaltliche Fragen nicht beantworten kann oder darf. Für Terminvereinbarungen ist das Sekretariat zuständig. Für rechtliche Fragen zu Ihrem Mandat ist der Anwalt persönlich verantwortlich. Ist die Kanzlei dauerhaft nicht erreichbar, ist das ein ernstzunehmendes Warnsignal.
Ausnahmen gibt es bei nachweisbarer Verhinderung, etwa einem unvorhergesehenen Krankenhausaufenthalt. Das rechtfertigt eine verzögerte Antwort aber nur, wenn die Kanzlei Sie darüber informiert. Wochenlanges Schweigen ohne jede Erklärung fällt nicht darunter. Dann liegt tatsächlich eine Pflichtverletzung vor.
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Praxis-Tipp
Die Erreichbarkeit Ihres Rechtsanwalts ist berufsrechtlich geregelt: § 11 Abs. 1 BORA verpflichtet ihn, Sie über alle wesentlichen Vorgänge — Klageeinreichung, eingehende Schriftsätze, Gerichtstermine — unverzüglich zu informieren, ohne dass Sie nachfragen müssen.
Ist die Kommunikation per E-Mail mit dem Anwalt vertraulich und sicher?
Ja. Alles, was Sie Ihrem Anwalt mitteilen, unterliegt der anwaltlichen Schweigepflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO. Das gilt für Gespräche im Büro genauso wie für Briefe, E-Mails und Nachrichten per Messenger.
Ihr Anwalt darf den Inhalt Ihrer E-Mails nicht weitergeben. Er darf auch Ihren Namen nicht mit Ihrem Fall in Verbindung bringen - nicht gegenüber Familienmitgliedern, nicht gegenüber anderen Mandanten, nicht gegenüber Behörden ohne gesetzliche Grundlage. Ein Verstoß ist nach § 203 StGB strafbar. Er verletzt zugleich § 43a BRAO.
Wenig bekannt: Die Schweigepflicht schützt Sie auch gegenüber Ihrer Rechtsschutzversicherung. Das Anwaltsgericht Frankfurt am Main hat entschieden: Es besteht keine berufsrechtliche Pflicht, den Mandatsverlauf gegenüber der Versicherung offenzulegen. Ihr Anwalt darf Details Ihres Falls also auch vor der Versicherung schützen - solange Sie keine Einwilligung erteilt haben.
Die technische Sicherheit von E-Mails ist eine andere Frage als die Schweigepflicht selbst. Unverschlüsselte E-Mails können theoretisch abgefangen werden. Viele Kanzleien nutzen deshalb verschlüsselte Kanäle oder das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA). Fragen Sie Ihre Kanzlei, welchen Weg sie für besonders sensible Informationen empfiehlt.
Mehr zu Reichweite und Grenzen der Schweigepflicht finden Sie im Ratgeber zur anwaltlichen Schweigepflicht. Dort erfahren Sie unter anderem, was Ihr Anwalt niemals weitergeben darf.
Wichtig zu wissen
Auf Ihre Anfragen muss Ihr Anwalt nach § 11 Abs. 2 BORA unverzüglich antworten — das bedeutet nach § 121 Abs. 1 BGB ohne schuldhaftes Zögern, in der Praxis spätestens innerhalb von zwei Wochen; bei drohenden Fristen deutlich schneller.
Haben Sie das Gefühl, nicht gut informiert zu werden?
Schildern Sie Ihre Situation — wir vermitteln Ihnen einen passenden Anwalt, der Ihren Fall übernimmt und Sie transparent auf dem Laufenden hält.
Wie stellen Sie Fragen richtig — ohne zu nerven und ohne Fristen zu verpassen?
Sie dürfen jederzeit fragen. Viele Mandantinnen und Mandanten scheuen Rückfragen – aus Sorge, lästig zu wirken oder zusätzliche Kosten auszulösen. Beides ist meist unbegründet: Eine kurze Statusanfrage löst in der Regel keine Extra-Gebühr aus. Ihr Anwalt erwartet sogar, dass Sie informiert bleiben wollen.
Formulieren Sie Fragen schriftlich und so konkret wie möglich. Fragen Sie nicht 'Was ist der aktuelle Stand?', sondern lieber: 'Hat das Gericht auf unsere Klage schon reagiert? Wann ist mit einer Ladung zu rechnen?' Konkrete Fragen bekommen konkrete Antworten. Sie zeigen Ihrem Anwalt zudem, dass Sie den Ablauf verstehen und aktiv mitverfolgen.
Unterscheiden Sie zwei Arten von Fragen: solche zum laufenden Stand und solche, die eine neue rechtliche Prüfung erfordern. Stand-Fragen beantwortet Ihr Anwalt meist ohne gesonderte Abrechnung im Rahmen des laufenden Mandats. Entwickelt sich Ihr Fall dagegen in eine neue Richtung, kann das zusätzliche Beratungszeit auslösen. Im Zweifel fragen Sie kurz nach, bevor Sie ein langes Schreiben mit neuen Sachverhalten schicken.
Fehlen Ihnen wichtige Informationen, sprechen Sie das direkt an: 'Ich habe gehört, dass in solchen Verfahren ein Schriftsatz der Gegenseite üblich ist – haben wir etwas erhalten?' Solche Nachfragen sind völlig legitim. Ihr Anwalt ist nach §§ 675, 666 BGB zur Auskunft verpflichtet und muss Ihnen auf Verlangen Rechenschaft über den Mandatsverlauf ablegen.
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Was tun, wenn der Anwalt sich nicht meldet — Ihre konkreten Optionen
Hat sich Ihr Anwalt trotz schriftlicher Anfrage länger als zwei Wochen nicht gemeldet, ohne nachvollziehbaren Grund? Das ist keine Kleinigkeit. Meist liegt dann ein Verstoß gegen § 11 Abs. 2 BORA vor, die Pflicht zur unverzüglichen Bearbeitung. Sie müssen das nicht einfach hinnehmen. Sie haben mehrere konkrete Möglichkeiten, jetzt aktiv zu werden.
Der erste Schritt: ein weiteres Schreiben mit klarer Fristsetzung. Formulieren Sie etwa: 'Ich bitte um Rückmeldung bis zum [Datum]. Andernfalls werde ich meine weiteren Optionen prüfen.' Das wirkt formell, ist aber genau richtig. So schaffen Sie einen dokumentierten Nachweis für spätere Schritte. Verschicken Sie das Schreiben per E-Mail mit Lesebestätigung oder als Einschreiben.
Der zweite Schritt ist eine Beschwerde bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer. Sie ahndet berufsrechtliche Verstöße und wird auf Beschwerde hin tätig. Wichtig zu wissen: Eine Kammer-Beschwerde bringt Ihnen in der Regel kein bereits gezahltes Honorar zurück. Sie dient vor allem der Ahndung des Fehlverhaltens, einen finanziellen Nutzen ziehen Sie daraus meist nicht.
Der dritte Schritt ist die Kündigung des Mandatsvertrags. Wenn Ihr Anwalt nicht auf E-Mails antwortet, können Sie ihm das Mandat wegen Untätigkeit entziehen – jederzeit, ohne Angabe von Gründen und ohne Frist. Das folgt aus dem Grundsatz der freien Anwaltswahl. Der Anwalt behält dabei in der Regel seinen Vergütungsanspruch für bereits erbrachte Leistungen. Kündigen Sie aus wichtigem Grund, etwa wegen nachgewiesener dauerhafter Untätigkeit, kann der Vergütungsanspruch nach § 628 Abs. 1 Satz 2 BGB entfallen – wenn die bisherigen Leistungen für Sie ohne Interesse und damit unverwertbar sind. Wie ein Anwaltswechsel genau abläuft, inklusive Handakte und Fristen, erklärt der Cluster-Artikel zum Thema Anwalt wechseln.
Lässt Ihr Anwalt durch dauerhaftes Schweigen eine wichtige Frist verstreichen, kann das zur Haftungsfrage werden. Die Überwachung von Fristen gehört zu den Kardinalpflichten jedes Rechtsanwalts. Jeder Anwalt in Deutschland muss nach § 51 BRAO eine Berufshaftpflichtversicherung unterhalten, die für Schäden aus fehlerhafter Berufsausübung einsteht. Befinden Sie sich in einer solchen Situation, sollten Sie den Fall anwaltlich prüfen lassen.
Ihre Checkliste auf einen Blick
- Die Erreichbarkeit Ihres Rechtsanwalts ist berufsrechtlich geregelt: § 11 Abs. 1 BORA verpflichtet ihn, Sie über alle wesentlichen Vorgänge — Klageeinreichung, eingehende Schriftsätze, Gerichtstermine — unverzüglich zu informieren, ohne dass Sie nachfragen müssen.
- Auf Ihre Anfragen muss Ihr Anwalt nach § 11 Abs. 2 BORA unverzüglich antworten — das bedeutet nach § 121 Abs. 1 BGB ohne schuldhaftes Zögern, in der Praxis spätestens innerhalb von zwei Wochen; bei drohenden Fristen deutlich schneller.
- Längere Phasen ohne Rückmeldung sind nicht zwingend ein Zeichen von Untätigkeit: Zwischen Klageeinreichung und Reaktion der Gegenseite oder bis zu einem Gerichtstermin können Wochen vergehen, ohne dass anwaltliches Handeln erforderlich ist.
- Ihre E-Mails und alle anderen Mitteilungen an Ihren Anwalt unterliegen der anwaltlichen Schweigepflicht nach § 43a BRAO — Ihre Kommunikation ist vertraulich, auch wenn sie digital erfolgt.
- Wenn Ihr Anwalt trotz schriftlicher Nachfrage dauerhaft schweigt oder nicht auf E-Mails antwortet, können Sie Beschwerde bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer einlegen oder dem Anwalt das Mandat wegen Untätigkeit jederzeit ohne Angabe von Gründen entziehen — und sich bei laufenden Fristen sofort einen anderen Anwalt suchen.
- Bei Advofleet buchen Sie anwaltliche Beratung oder eine passende Leistung zum vorab ausgewiesenen Preis. In unserer Angebotsübersicht sehen Sie die verfügbaren Pakete und ihren Leistungsumfang. Eine Anfrage allein enthält keine kostenlose anwaltliche Prüfung.
Gute Kommunikation mit dem Anwalt ist keine Selbstverständlichkeit — aber sie ist Ihr Recht. Wer weiß, dass § 11 BORA den Anwalt zur aktiven Information verpflichtet und dass Anfragen nach § 121 Abs. 1 BGB unverzüglich beantwortet werden müssen, kann selbstbewusst und klar kommunizieren. Stellen Sie Ihre Fragen schriftlich, setzen Sie bei Bedarf eine Frist, und scheuen Sie sich nicht, auf einer Antwort zu bestehen. Wenn die Zusammenarbeit dauerhaft stockt, ist ein Anwaltswechsel einfacher möglich, als viele denken — ohne komplizierte Formalitäten.