Sie erhalten ein Schreiben Ihrer Anwältin oder Ihres Anwalts: Das Mandat werde niedergelegt, die Zusammenarbeit ende mit sofortiger Wirkung. Dieser Moment ist für viele Menschen erschreckend — vor allem, wenn gerade ein Gerichtstermin bevorsteht oder eine Frist läuft. Doch Sie sind in dieser Situation keineswegs schutzlos.
Das deutsche Recht gibt Ihnen als Mandant klare Ansprüche: auf Herausgabe Ihrer Unterlagen, auf Hinweise zu laufenden Fristen und unter bestimmten Voraussetzungen sogar auf Schadensersatz. Der Anwalt darf zwar kündigen — aber nicht zu jedem Zeitpunkt und nicht ohne Folgen. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt, was nach einer Mandatsniederlegung gilt.
Wichtig vorab: Handeln Sie nach einer Mandatsniederlegung zügig. Laufende Fristen warten nicht. Welche konkreten Schritte für Ihren Fall sinnvoll sind, klärt am besten ein neuer Anwalt — eine unverbindliche Ersteinschätzung erhalten Sie kostenlos auf rechtsanwalt24.de (Privatrecht allgemein) oder, bei unternehmerischen Fragen, auf firmenanwalt24.de.
| Aspekt | Kurzinfo |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 627 BGB, § 675 BGB, § 667 BGB, § 628 BGB |
| Kündigung erlaubt | Ja, jederzeit — aber nicht zur Unzeit (§ 627 Abs. 2 BGB) |
| Unterlagen-Herausgabe | Pflicht nach § 667 BGB, § 50 Abs. 2 BRAO |
| Honorar bei Anwaltskündigung | Kann ganz oder teilweise entfallen (§ 628 BGB, BGH IX ZR 170/10) |
| Schadensersatz möglich | Bei unzeitiger Kündigung nach §§ 280, 281 BGB |
Auf einen Blick
Was bedeutet Mandatsniederlegung — und wann kann ein Anwalt das Mandat kündigen oder niederlegen?
Mandatsniederlegung bedeutet: Ihr Anwalt beendet das Vertragsverhältnis mit Ihnen einseitig — ohne dass Sie zustimmen müssen. Ob Ihr Anwalt das Mandat kündigt oder niederlegt: Beides bezeichnet dasselbe. Es ist die einseitige Beendigung des Anwaltsverhältnisses durch Ihren Anwalt.
Die Kündigung des Mandats durch den Rechtsanwalt ist im deutschen Recht grundsätzlich erlaubt. Nach § 627 Abs. 1 BGB können beide Seiten einen Anwaltsvertrag jederzeit kündigen — ohne Angabe von Gründen. Der Anwaltsvertrag gilt rechtlich als Geschäftsbesorgungsvertrag nach § 675 BGB. Er beruht auf persönlichem Vertrauen. Und genau deshalb kann er von beiden Seiten beendet werden.
Welche Gründe kann ein Rechtsanwalt für die Mandatsniederlegung haben?
Ihr Anwalt muss Ihnen keinen Grund nennen. In der Praxis stecken hinter einer Kündigung des Mandats aber meist konkrete Auslöser.
- Ausstehende Honorarzahlungen
- Zerrüttetes Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandant
- Interessenkonflikt mit einem anderen Mandanten der Kanzlei
- Fehlende Erfolgsaussichten aus anwaltlicher Sicht
- Persönliche Unzumutbarkeit der weiteren Zusammenarbeit
Keinen dieser Gründe muss Ihnen der Anwalt offiziell mitteilen. Das klingt hart — ist aber die gesetzliche Ausgangslage.
Die Kündigung wird mit dem Zugang bei Ihnen wirksam. Das ist der Moment, in dem Ihnen das Schreiben oder die mündliche Erklärung zugegangen ist. Eine Ankündigungsfrist schreibt das Gesetz nicht vor. Das bedeutet aber nicht, dass Ihr Anwalt damit jede Pflicht los ist. Die entscheidende Einschränkung heißt: das Verbot der Kündigung zur Unzeit.
Besonderer Schutz bei Prozesskostenhilfe
Wenn Ihr Anwalt im Wege der Prozesskostenhilfe beigeordnet wurde, gelten zusätzliche Einschränkungen. Eine Beiordnung endet nicht automatisch mit der Kündigung des Mandatsvertrags. Für die Aufhebung der Beiordnung braucht es einen wichtigen Grund und einen gesonderten Antrag beim Gericht. Das bedeutet konkret: Selbst wenn Ihr Anwalt den Mandatsvertrag kündigt, bleibt er zunächst als beigeordneter Anwalt tätig — bis das Gericht die Beiordnung förmlich aufhebt. Ihr Schutz ist in diesem Fall deutlich stärker.
Häufige Fragen zur Mandatsniederlegung
- Wann kann ein Anwalt das Mandat niederlegen? Grundsätzlich jederzeit nach § 627 Abs. 1 BGB — ohne Angabe von Gründen. Die einzige gesetzliche Schranke ist das Verbot der Kündigung zur Unzeit: Kündigt der Anwalt kurz vor einem Gerichtstermin ohne triftigen Grund, kann das eine Pflichtverletzung sein.
- Was passiert mit laufenden Fristen, wenn der Anwalt das Mandat kündigt? Laufende Fristen — etwa für Widersprüche oder Klagen — laufen weiter. Ihr Ex-Anwalt muss Sie auf offene Fristen hinweisen. Beauftragen Sie so schnell wie möglich einen neuen Anwalt.
- Wie lange hat mein Anwalt Zeit, mir die Unterlagen zurückzugeben? Die Herausgabe muss unverzüglich erfolgen. In der Praxis bedeutet das: binnen weniger Werktage. Fordern Sie die Unterlagen schriftlich an und setzen Sie eine klare Frist von sieben bis zehn Werktagen. Reagiert die Kanzlei nicht, kann das als Pflichtverletzung gewertet werden — und Sie können sich an die zuständige Rechtsanwaltskammer wenden.
- Muss ich zahlen, wenn mein Anwalt das Mandat niederlegt? Ja — für die bis zur Kündigung erbrachten Leistungen steht dem Anwalt ein Honorar zu. Kündigt er jedoch grundlos und zur Unzeit, kann der Honoraranspruch nach der Rechtsprechung gemindert sein.
- Kann ich Schadensersatz fordern, wenn mein Anwalt kurz vor einem Gerichtstermin kündigt? Möglicherweise ja. Kündigt der Anwalt zur Unzeit — also in einem Moment, in dem Sie keinen Ersatz mehr rechtzeitig finden können — und entsteht Ihnen dadurch ein Schaden, können Schadensersatzansprüche entstehen. Das sollte ein neuer Anwalt für Sie prüfen.
Neuen Anwalt mit Festpreis finden
Sie brauchen nach einer Mandatsniederlegung schnell Orientierung? Auf advofleet.de finden Sie Festpreis-Mandate — Sie wissen vor dem ersten Gespräch genau, was die Beratung kostet.
Kündigung zur Unzeit: Wann sie verboten ist — und was Sie jetzt tun können
Kurz erklärt
Ein Anwalt darf das Mandat nach § 627 Abs. 1 BGB grundsätzlich jederzeit kündigen — ohne Angabe von Gründen. Eine wichtige Ausnahme gilt aber: Die Kündigung darf nicht zur Unzeit erfolgen. Das heißt: Sie darf nicht kurz vor einem Gerichtstermin oder unmittelbar vor Ablauf einer wichtigen Frist ausgesprochen werden. Ob Ihr Anwalt das Mandat kündigt oder niederlegt — beides bezeichnet dasselbe: die einseitige Beendigung des Anwaltsverhältnisses durch Ihren Anwalt.
Was ist eine Kündigung zur Unzeit?
Eine Kündigung zur Unzeit liegt vor, wenn Ihr Anwalt das Mandat zu einem Zeitpunkt beendet, zu dem Sie sich nicht mehr rechtzeitig selbst helfen können. Konkret: Sie finden keinen neuen Anwalt mehr — weil zu wenig Zeit bleibt. Die gesetzliche Grundlage ist § 627 Abs. 2 BGB.
Der BGH hat dazu klargestellt: Eine Kündigung ist insbesondere dann zur Unzeit, wenn sie unmittelbar vor einem Gerichtstermin oder kurz vor dem Ablauf einer wichtigen Frist erfolgt (BGH, Urteil vom 07.02.2013 – IX ZR 138/11).
Ein Beispiel aus der Praxis
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Eine Mandantin ist in einem Zivilverfahren anwaltlich vertreten. Vier Tage vor der mündlichen Verhandlung erhält sie die schriftliche Mandatsniederlegung ihrer Anwältin. In der verbleibenden Zeit findet sie keine neue Vertretung. Folge: Es ergeht ein Versäumnisurteil gegen sie.
In einem solchen Fall kann die Kündigung des Rechtsanwalts Schadensersatzpflichten auslösen — auf Basis von § 280 BGB. Wichtig: Die Kündigung bleibt trotzdem wirksam. Das Mandat endet also. Aber der entstandene Schaden — verpasster Termin, versäumte Frist, verlorene Rechtsposition — kann ersatzfähig sein.
Was bedeutet das für Sie konkret?
- Die Kündigung ist wirksam — das Mandat endet, auch wenn sie zur Unzeit erfolgte.
- Entstehen Ihnen dadurch konkrete Nachteile, haben Sie Anspruch auf Schadensersatz.
- Die Beweislast liegt beim Anwalt: Er muss zeigen, dass seine Kündigung rechtmäßig war.
- Hat der Anwalt wegen Honorarrückständen gekündigt, muss er Sie zuvor gemahnt, eine Zahlungsfrist gesetzt und auf die Notwendigkeit einer neuen Vertretung hingewiesen haben. Fehlen diese Schritte, riskiert er seinen Vergütungsanspruch und Schadensersatzforderungen.
Hinweis zu Gerichtsurteilen
Der BGH hat in mehreren Entscheidungen klargestellt, unter welchen Bedingungen eine Kündigung zur Unzeit vorliegt. Für die Frage, ob Honorarrückstände eine Kündigung rechtfertigen, kommt es auf den Einzelfall an — insbesondere darauf, ob der Anwalt zuvor angemessen auf Zahlungsrückstände hingewiesen hat. Lassen Sie Ihre konkrete Situation von einem neuen Anwalt einschätzen.
Was tun Sie jetzt?
- 1Schaden dokumentieren: Notieren Sie genau, welche Nachteile Ihnen durch die Kündigung entstanden sind: verpasste Termine, versäumte Fristen, ergangene Urteile. Bewahren Sie alle Schriftstücke auf.
- 2Unterlagen zurückfordern: Ihr bisheriger Anwalt muss Ihnen alle Unterlagen unverzüglich zurückgeben. Fordern Sie die Herausgabe schriftlich an und setzen Sie eine kurze Frist von sieben bis zehn Werktagen. Reagiert die Kanzlei nicht, kann das als Pflichtverletzung gewertet werden. Notfalls können Sie auch direkt beim Gericht Akteneinsicht beantragen.
- 3Neuen Anwalt einschalten: Ein neuer Anwalt kann prüfen, ob die Kündigung zur Unzeit erfolgte und ob Schadensersatzansprüche gegen Ihren bisherigen Anwalt bestehen. Handeln Sie dabei zügig — laufende Fristen zählen weiter.
- 4Rechtsanwaltskammer einschalten: Bei Verdacht auf eine Pflichtverletzung — zum Beispiel wenn Unterlagen verweigert werden — können Sie Beschwerde bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer einlegen. Das ist kostenlos und unabhängig von einem Schadensersatzverfahren möglich.
Neuen Anwalt mit Festpreis finden
Sie suchen jetzt einen neuen Anwalt? Auf advofleet.de finden Sie Mandate mit transparenten Festpreisen — Sie wissen vor dem ersten Gespräch genau, was die Beratung kostet.
Welche Rechte haben Sie nach der Mandatsniederlegung?
Nach dem Ende des Mandats haben Sie das Recht, sämtliche Unterlagen zurückzubekommen. Das gilt für alles, was Ihr Anwalt im Rahmen des Mandats erhalten oder erstellt hat: Verträge, Schriftsätze, Behördenbescheide, Gutachten und alle weiteren Dokumente, die Sie übergeben haben oder die im Laufe des Verfahrens eingegangen sind. Rechtsgrundlage ist § 667 BGB in Verbindung mit § 50 Abs. 2 BRAO.
Ausgenommen sind nur interne Notizen, die Ihr Anwalt ausschließlich für seinen eigenen Gebrauch angefertigt hat. Diese gehören zur Handakte der Kanzlei. Alles andere — insbesondere Dokumente, die Sie selbst eingereicht haben — gehört Ihnen und muss zurückgegeben werden.
Wie lange hat der Anwalt Zeit zur Herausgabe?
§ 50 Abs. 2 BRAO nennt keinen festen Stichtag. In der Praxis sollten Sie die Unterlagen innerhalb von zwei bis vier Wochen erhalten. Reagiert Ihr Ex-Anwalt nicht, können Sie sich bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer beschweren. Diese ist die offizielle Aufsichtsbehörde und kann auf die Herausgabe hinwirken.
Ihr Anwalt ist außerdem verpflichtet, Sie vor der Mandatsübergabe über alle laufenden Fristen, drohende Verjährungen und noch offene Rechtsmittel zu informieren. Diese nachvertragliche Informationspflicht ergibt sich aus § 50 BRAO. Versäumen Sie wegen fehlender Information eine Frist, können daraus Schadensersatzansprüche entstehen.
Auch die anwaltliche Schweigepflicht bleibt nach dem Mandatsende bestehen. Ihr Anwalt darf keine Informationen über Ihren Fall an Dritte weitergeben — weder an die Gegenseite noch an Bekannte. Das regeln § 43a Abs. 2 BRAO und § 2 Abs. 1 BORA. Diese Pflicht gilt zeitlich unbegrenzt — auch wenn das Mandatsverhältnis im Streit geendet hat.
Im laufenden Gerichtsverfahren gilt eine Besonderheit: Nach § 87 Abs. 1 ZPO bleibt die Prozessvollmacht Ihres bisherigen Anwalts so lange bestehen, bis ein neuer Prozessbevollmächtigter bestellt ist. Ihr Ex-Anwalt muss Zustellungen des Gerichts weiterhin entgegennehmen und unverzüglich an Sie weiterleiten.
Häufige Fragen nach der Mandatsniederlegung
Muss mein Anwalt mir einen Grund für die Kündigung des Mandats nennen?
Nein. Ein Rechtsanwalt kann das Mandat grundsätzlich ohne Angabe von Gründen niederlegen. Er darf das jedoch nicht zur Unzeit tun — also nicht kurz vor einem wichtigen Termin, wenn Ihnen dadurch ein konkreter Schaden entsteht. In diesem Fall können Schadensersatzansprüche entstehen.
Was passiert mit laufenden Fristen, wenn mein Anwalt das Mandat niederlegt?
Ihr Anwalt ist verpflichtet, Sie vor der Übergabe über alle offenen Fristen zu informieren. Die Fristen selbst laufen weiter — unabhängig vom Mandatsende. Beauftragen Sie so schnell wie möglich einen neuen Anwalt, damit keine Frist versäumt wird.
Kann ich mein bereits gezahltes Honorar zurückfordern, wenn der Anwalt kündigt?
Das hängt davon ab, welche Leistungen Ihr Anwalt bis zur Mandatsniederlegung bereits erbracht hat. Für tatsächlich erbrachte Tätigkeiten steht ihm eine anteilige Vergütung zu. Wurde das Mandat zur Unzeit und schuldhaft beendet, können Sie entstandene Mehrkosten — etwa für den Nachfolgeanwalt — als Schadensersatz geltend machen.
Was tun, wenn mein Ex-Anwalt die Unterlagen nicht herausgibt?
Setzen Sie zunächst eine schriftliche Frist — zwei Wochen sind üblich. Reagiert Ihr Ex-Anwalt nicht, können Sie Beschwerde bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer einlegen. Diese hat Aufsichtsbefugnis und kann auf die Herausgabe hinwirken. Im Extremfall bleibt der Klageweg.
Wichtig zu wissen
Ihre gesamten Unterlagen herauszuverlangen ist kein Ermessensspielraum — dieses Recht ergibt sich aus § 667 BGB und § 50 Abs. 2 BRAO und ist nicht verhandelbar.
Ihr Anwalt hat gekündigt — jetzt den richtigen Nachfolger finden
Schildern Sie Ihren Fall und finden Sie schnell einen passenden Anwalt für Ihre Situation. Unverbindlich, transparent und mit klaren Kosten vorab.
Kostenlose Ersteinschätzung statt kostenpflichtiger Erstberatung
Bei den meisten Anwälten kostet die Erstberatung nach § 34 RVG bis zu 190 Euro netto. Auf unseren Schwesterportalen rechtsanwalt24.de (Privatrecht), kitaplatzklage.de (Kita-/Studienplatz) und firmenanwalt24.de (Unternehmensrecht) können Sie Ihr Anliegen zuerst unverbindlich und kostenlos einschätzen lassen — bevor Sie Geld für eine klassische Erstberatung ausgeben.
Muss ich trotzdem zahlen, wenn mein Anwalt das Mandat kündigt?
Ob Ihr Anwalt nach einer Mandatsniederlegung noch Honorar verlangen kann, hängt von einer entscheidenden Frage ab: Wer hat die Kündigung veranlasst — und sind Ihre Interessen durch die bisherigen Leistungen noch gewahrt? Die zentrale Norm dafür ist § 628 BGB. Ob Ihr Anwalt das Mandat kündigt oder niederlegt — beides bezeichnet dasselbe: die einseitige Beendigung des Anwaltsverhältnisses durch Ihren Anwalt.
Wenn Ihr Anwalt ohne Ihr Verschulden kündigt
Kündigt Ihr Anwalt ohne Ihr Verschulden, kann er seinen Honoraranspruch verlieren. Das gilt zumindest für den Teil, der durch die Kündigung für Sie wertlos wird. Müssen Sie wegen der Kündigung einen neuen Anwalt beauftragen, ist das ein starkes Argument gegen eine volle Honorarforderung.
Der BGH hat das in einem Urteil vom 29.09.2011 (IX ZR 170/10) klargestellt: Ein Anwalt, der grundlos kündigt und Sie damit zwingt, einen neuen Prozessbevollmächtigten zu bestellen, verliert seinen Vergütungsanspruch. Bereits gezahltes Honorar kann in solchen Fällen sogar zurückgefordert werden.
Bereits gezahltes Honorar zurückfordern?
Wenn die Kündigung ohne Ihr Zutun erfolgte und die erbrachten Leistungen durch den Wechsel wertlos werden, haben Sie unter Umständen einen Rückforderungsanspruch. Lassen Sie die Rechnung von einem neuen Anwalt prüfen — das kostet nach § 34 RVG maximal 190 Euro netto und schafft schnell Klarheit.
Wenn Sie selbst Anlass zur Kündigung gegeben haben
Anders sieht es aus, wenn Sie selbst der Auslöser waren. Typische Beispiele sind anhaltende Nichtzahlung von Vorschüssen, Beleidigungen oder falsche Angaben gegenüber dem Anwalt. In diesen Fällen behält Ihr Anwalt seinen Vergütungsanspruch für alle bis zur Kündigung erbrachten Leistungen.
Wer hat gekündigt — und was bedeutet das für das Honorar?
Anwalt kündigt ohne Ihr Verschulden
- Honoraranspruch entfällt, soweit Leistungen wertlos werden
- Bereits gezahltes Honorar kann zurückgefordert werden
- Eventuelle Mehrkosten für neuen Anwalt kann der Ex-Anwalt schulden
- Grundlage: § 628 Abs. 1 Satz 2 BGB
Sie geben Anlass zur Kündigung
- Anwalt behält Honoraranspruch für erbrachte Leistungen
- Keine Rückforderung bereits gezahlter Beträge
- Mehrkosten für neuen Anwalt tragen Sie selbst
- Grundlage: § 628 Abs. 1 Satz 1 BGB
Was gilt bei einer Rechtsschutzversicherung?
Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, prüfen Sie unbedingt, ob diese die Kosten des Anwaltswechsels übernimmt. Eine Rechtsschutzversicherung deckt in der Regel nur einen Anwalt pro Instanz. Ein zweiter Anwalt im selben Verfahren wird häufig nicht automatisch übernommen — fragen Sie vorher bei Ihrer Versicherung nach. Ausnahmen gelten, wenn der Wechsel berechtigt war, etwa weil Ihr Anwalt grundlos gekündigt hat.
Haben Sie keine Rechtsschutzversicherung und ein geringes Einkommen, können Beratungshilfe (für außergerichtliche Beratung) oder Prozesskostenhilfe (für laufende Gerichtsverfahren) als Finanzierungswege infrage kommen. Fragen Sie den neuen Anwalt direkt danach — er kann einschätzen, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen.
Wie prüfen Sie, ob die Honorarrechnung berechtigt ist?
Sind Sie unsicher, ob die Rechnung nach der Mandatsniederlegung korrekt ist? Lassen Sie diese von einem neuen Anwalt prüfen. Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) regelt genau, welche Gebühren in welcher Verfahrenssituation entstehen dürfen. Auf advofleet.de finden Sie Angebote mit transparenten Festpreisen — Sie wissen vor dem ersten Gespräch genau, was die Prüfung kostet.
So gehen Sie jetzt vor
1. Legen Sie die Honorarrechnung beiseite und zahlen Sie noch nicht. 2. Beauftragen Sie einen neuen Anwalt mit der Prüfung der Rechnung. 3. Klären Sie parallel mit Ihrer Rechtsschutzversicherung, ob die Kosten des Wechsels gedeckt sind. 4. Haben Sie kein Geld für einen neuen Anwalt, fragen Sie beim Amtsgericht nach Beratungshilfe.
Neuen Anwalt mit Festpreis finden
Sie suchen einen neuen Anwalt mit transparenten Kosten? Auf advofleet.de finden Sie Festpreis-Mandate — Sie wissen vor dem ersten Gespräch genau, was die Beratung kostet.
So gehen Sie jetzt konkret vor
Fristen zuerst prüfen
Der allerwichtigste Schritt nach einer Mandatsniederlegung: Klären Sie sofort, ob in Ihrem Verfahren eine Frist läuft. Das kann eine Klageerwiderungsfrist, eine Berufungsfrist, eine Einspruchsfrist oder eine Verjährungsfrist sein. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Ex-Anwalt schriftlich — er ist nach § 50 BRAO zur Auskunft verpflichtet.
Ihre nächsten Schritte im Überblick
- 1Unterlagen schriftlich zurückfordern: Schicken Sie Ihrem Ex-Anwalt ein Einschreiben. Beschreiben Sie darin genau, welche Dokumente Sie übergeben haben und welche Schriftsätze im Verfahren entstanden sind. Setzen Sie eine kurze Frist von sieben bis zehn Werktagen. Notieren Sie sich das Absendedatum. Gibt der Anwalt die Unterlagen nicht heraus, kann das als Pflichtverletzung gewertet werden. Bleibt das Schreiben ohne Reaktion, können Sie sich an die zuständige Rechtsanwaltskammer wenden. Tipp: Wenn der Ex-Anwalt die Herausgabe verweigert, können Sie oft auch direkt beim Gericht Akteneinsicht beantragen — das ist ein praktischer Notfallweg.
- 2Neuen Anwalt beauftragen: Holen Sie sich möglichst schnell rechtliche Unterstützung. Eine kostenlose und unverbindliche Ersteinschätzung für Privatrechtsfragen finden Sie auf <a href="https://rechtsanwalt24.de" rel="noopener">rechtsanwalt24.de</a>. Für Unternehmensthemen ist <a href="https://firmenanwalt24.de" rel="noopener">firmenanwalt24.de</a> die richtige Adresse. Diese Ersteinschätzung ist nicht identisch mit der kostenpflichtigen <a href="/blog/laeuft-mandat-ab-schritt-schritt">Erstberatung nach § 34 RVG</a> — sie hilft Ihnen aber, unverbindlich einzuordnen, wie Ihr Fall weitergeht.
- 3Zeitpunkt der Kündigung dokumentieren: War die Mandatsniederlegung zur Unzeit — also kurz vor einem Gerichtstermin oder vor Ablauf einer wichtigen Frist — halten Sie den genauen Zeitpunkt des Zugangs fest. Bewahren Sie das Kündigungsschreiben auf. Dieser Zeitstempel ist entscheidend, wenn Sie später Schadensersatz nach §§ 280, 281 BGB geltend machen wollen.
- 4Rechtsschutzversicherung informieren: Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung? Dann melden Sie den <a href="/blog/laeuft-mandat-ab-schritt-schritt">Anwaltswechsel</a> Ihrem Versicherer und stellen Sie eine neue Deckungsanfrage. Wichtig: Viele Tarife übernehmen die Kosten eines Nachfolgeanwalts nur dann, wenn der Wechsel berechtigt war — also etwa weil Ihr bisheriger Anwalt das Mandat niedergelegt hat. Prüfen Sie, ob Ihr Vertrag auch etwaige Mehrkosten durch den Wechsel abdeckt.
- 5Beratungshilfe oder Prozesskostenhilfe prüfen: Sie haben keine Rechtsschutzversicherung und ein geringes Einkommen? Dann kommen zwei staatliche Wege infrage: Beratungshilfe für außergerichtliche Beratung und Prozesskostenhilfe für laufende Gerichtsverfahren. Haben Sie bereits Prozesskostenhilfe, fragen Sie den neuen Anwalt gezielt, wie er die Beiordnung übernimmt — das läuft über einen Antrag beim Gericht. Beide Möglichkeiten senken die Hürde, sich einen neuen Anwalt leisten zu können. Einen Überblick finden Sie in unserem Ratgeber zur Kostenübernahme auf advofleet.de.
Neuen Anwalt mit Festpreis finden
Sie suchen einen neuen Anwalt und wollen von Anfang an wissen, was die Beratung kostet? Auf advofleet.de finden Sie Festpreis-Mandate — Sie wissen vor dem ersten Gespräch genau, was auf Sie zukommt.
Checkliste: Das sollten Sie im Blick behalten
- Ein Anwalt darf das Mandat nach § 627 Abs. 1 BGB jederzeit ohne Angabe von Gründen kündigen — aber nicht zur Unzeit, also nicht kurz vor einem Gerichtstermin oder vor Ablauf einer wichtigen Frist.
- Ihre Unterlagen müssen Sie aktiv herausverlangen. Dieses Recht ergibt sich aus § 667 BGB und § 50 Abs. 2 BRAO. Es ist nicht verhandelbar. Setzen Sie eine schriftliche Frist von sieben bis zehn Werktagen.
- Kündigt der Anwalt ohne Ihr Verschulden und entstehen Ihnen dadurch Mehrkosten, kann er seinen Honoraranspruch ganz oder teilweise verlieren (BGH, Urteil vom 29.09.2011 – IX ZR 170/10).
- Die anwaltliche Schweigepflicht aus § 43a Abs. 2 BRAO gilt auch nach dem Ende des Mandatsverhältnisses. Ihr Ex-Anwalt darf nichts über Ihren Fall preisgeben.
- Entsteht Ihnen durch eine unzeitige Mandatsniederlegung ein Schaden — etwa weil eine Frist versäumt wird — können Sie Schadensersatz nach §§ 280, 281 BGB geltend machen.
- Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung? Stellen Sie nach dem Wechsel eine neue Deckungsanfrage — ohne diese Meldung kann die Kostenübernahme für den Nachfolgeanwalt gefährdet sein.
- Reagiert Ihr Ex-Anwalt nicht auf die Aufforderung zur Unterlagenherausgabe, können Sie eine Beschwerde bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer einreichen. Alternativ: Beantragen Sie direkt beim Gericht Akteneinsicht.
Eine Mandatsniederlegung ist unangenehm, aber kein rechtliches Aus. Sie haben klare Ansprüche: auf Herausgabe Ihrer Unterlagen, auf Informationen über laufende Fristen und in bestimmten Situationen auch auf Schadensersatz. Entscheidend ist, dass Sie zügig handeln — denn laufende Verfahrensfristen kennen keine Ausnahme für einen Anwaltswechsel. Wer schnell einen neuen Anwalt beauftragt, sichert seine Rechtsposition am besten. Eine kostenlose Ersteinschätzung erhalten Sie unverbindlich auf rechtsanwalt24.de, bevor Sie in eine kostenpflichtige Beratung nach § 34 RVG einsteigen.